TV-Testbilder – Sehnsucht nach der Sendepause


Nach Sendeschluss zeigten die Fernsehsender früher Testbilder -manche wurden von einem fürchterlichen, ohrenbetäubenden Dauerpiepston begleitet.Wenn gar nichts mehr geht, werden sie gesendet: TV-Testbilder kommen heute nur noch zum Einsatz, wenn die Übertragung abbricht. Früher flimmerten sie ganze Nachmittage über den Bildschirm. Damals verliebte sich Herbert Kalser in die abstrakten Muster – inzwischen hat er 20.000 gesammelt.

Es klingt schon verrückt: Herbert Kalser schickt Fernsehtestbilder in alle Welt – dabei hat der Österreicher gar keinen TV-Sender. Er versendet die Bilder als Fotos, per Mail an Freunde. Oder er stellt sie auf seine Website (www.tv-testbild.com). Zum Beispiel den pausbäckigen Kinderkopf oder das Mädchen mit der Puppe – eingerahmt von farbigen und schwarzweißen Feldern, Gittern, Kreisen, Balken, Keilen und Ziffern. Das Testbild als Erinnerungsstück: Es erinnert daran, dass es einmal Nachmittage ohne Talkshows gab und das Frühstücksfernsehen ein einziges weißes Rauschen war.

Aber warum gab es überhaupt Testbilder? Ganz einfach: Damit Fernsehmonteure in den heimischen Wohnstuben die Empfangsgeräte korrekt einstellen konnten – für scharfe Bilder und natürliche Farben. Damals gab es noch kein Satellitenfernsehen und keinen Sendersuchlauf mit automatischem Feintuning. Die Antenne im Wohnzimmer oder auf dem Dach wurde so lange hin- und hergedreht, bis endlich das Schneegestöber auf der Mattscheibe verschwunden war – und das Bild ein klares Motiv zeigte: das Testbild.

Die meisten europäischen Sender nutzen Testbilder heute nur noch selten – zum Beispiel bei internationalen Sportübertragungen, für den Fall, dass die Live-Übertragung zusammenbricht. Im Internet hat sich unterdessen eine Testbild-Fangemeinde gefunden, die das flüchtige Stück Fernsehgeschichte aufbewahrt. Einer dieser Fans ist Herbert Kalser. Zusammen mit Freunden hat er nach eigenen Schätzungen rund 20.000 Testbilder gesammelt. Es ist das wohl größte Archiv dieser Art weltweit. Im Interview verrät Kalser, wie er zu diesem seltsamen Hobby kam – und wie seine Frau darauf reagiert.

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Quelle: www.spiegel.de