High Dynamic Range: HDR-Monitore überzeugen mit hohem Kontrastumfang

Full-HD, 4K, 8K – immer höhere Auflösungen lassen sich gut vermarkten, bringen aber oft nicht den erhofften Mehrwert. Mit HDR steht nun ein potenzieller Game-Changer vor der Haustür, der ein völlig neues Seherlebnis bringt. Was verbirgt sich hinter den drei Buchstaben und warum bringen sie eine effektiv bessere Bildqualität?

unterschied hd
Sharp/Samsung/Sony

Es ist wie einst, als digitale Fotokameras immer populärer wurden: Die Hersteller von Bildschirmen versuchen heute durch immer höhere Auflösungen Kaufanreize für neue Geräte zu schaffen. Haben sich die deutschen Haushalte und Unternehmen gerade erst mit Full-HD-Geräten eingedeckt, scheint es jetzt nicht mehr unter der vierfachen Full-HD-Auflösung 4K zu gehen. Und in Japan kommen bereits die ersten 8K-Panels auf den Markt – also 16-fache Full-HD-Auflösung!

Doch blickt man auf die Content-Seite wird ein drastisches Missverhältnis deutlich: Es gibt immer noch sehr wenig 4K-Inhalte, von 8K ganz zu schweigen. Deutsche Privatsender senden ein Full-HD Signal, während die Öffentlich-Rechtlichen in HD (1.280 × 720 Pixel) übertragen. Und vieles, was man heute auf Monitoren sieht, kommt sogar noch mit der guten alten PAL SD-Auflösung von 720 × 576 Pixeln daher – zum Beispiel auf DVD. Das ist nicht einmal ein Viertel der Full-HD Auflösung. Wann wird ein Bild vom menschlichen Auge als angenehm empfunden?

Die schiere Auflösung ist da nur ein Faktor. Und unser Sehvermögen hat hier seine Grenzen. Wer vor einem 50-Zoll Bildschirm weiter als 1,70 m entfernt sitzt, kann schon nicht mehr unterscheiden, ob es sich um ein Full-HD- oder nur ein HD-Bild handelt. Um den Unterschied zwischen einem 4K- und einem Full-HD-Bild auf einem 50-Zoll Bildschirm zu erkennen, muss man bereits auf 85 cm heranrücken!

Hoher Kontrastumfang

Neben der Auflösung gibt es verschiedene Parameter, die das Bildempfinden angenehmer machen. Bisher wenig beachtet in dieser Hinsicht ist die Darstellung höherer Kontrastumfänge. Man spricht hier von High Dynamic Range – kurz HDR. Aktuelle Bildschirme sind dagegen nur in der Lage, geringe Kontrastumfänge darzustellen – man spricht hier von Standard Dynamic Range oder SDR. Das menschliche Auge ist in der Lage, Kontrastumfänge von rund 1:1.000.000 zu erfassen. Auch sehr gute Displays schaffen das nicht annähernd. Deshalb nehmen wir Szenen in der Realität sehr viel brillanter wahr, als auf einem Monitor.

Mit der HDR-Technologie soll die Wiedergabe durch die Darstellung höherer Kontrastumfänge wesentlich brillanter und natürlicher werden. Die Marketing-Strategen tun sich jedoch noch schwer, HDR in der Breite zu vermitteln. Ein Grund dafür ist, dass man HDR nur versteht, wenn man es auf einem HDR-Panel gesehen hat. Es ist weder möglich ein HDR-Bild auf einem Monitor zu zeigen, der nicht in der Lage ist, hohe Kontrastumfänge darzustellen, noch es auf irgendeinem Printmedium abzubilden.

UHD Alliance
UHD Alliance
Hohe und niedrige Bittiefe im Vergleich

Alle Beschreibungen – auch in diesem Artikel – sind also nur Erklärungsversuche und Analogien für ein Phänomen, das nur mit einem neuen Ausgabegerät gezeigt werden kann. Um HDR wirklich zu verstehen, muss man es einfach gesehen haben. Ein anderer Grund für das bisherige Schattendasein von HDR mag sein, dass es oft mit Fotografien verwechselt wird, die mit der hier besprochenen HDR-Technologie bei Monitoren nichts zu tun hat.

In der Fotografie dient die HDR-Technik prinzipiell zwar auch dazu, höhere Kontrastumfänge abzubilden. Sie wird jedoch mit einem Trick erreicht. Wenn der Helligkeitsunterschied in einem Bild von den tiefsten Schatten bis in die gleißendsten Himmelspartien höher ist, als es der Kamerasensor darzustellen vermag, macht man ein Foto, in dem die Schatten korrekt belichtet sind, ein Foto, in dem die Mitten korrekt belichtet sind und ein Foto, in dem die Lichter korrekt belichtet sind.

 

Farbräume
Wikipedia
Die Farbraeume Rec.2020 (UHDTV) und Rec.709 (HDTV) im Vergleich

Anschließend rechnet man die drei Aufnahmen zu einem Foto zusammen, das in allen Partien durchgezeichnet ist. Die dafür verwendete Software erlaubt meist neben der reinen Belichtungsfusion – die eine natürliche Wiedergabe mit hohem Kontrastumfang erzeugt – auch den kreativen Umgang mit verschiedenen Tonemapping-Parametern. HDR-Monitore haben dagegen gerade zum Ziel, Bildinhalte mit einem hohen Kontrastumfang so kontrastreich und farbentreu wiederzugeben, dass es der Wahrnehmung des menschlichen Auges nahekommt.

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Quelle: Professional System